Wenn man ein wenig klischeehaft spricht, könnte man sagen: Wir Männer versuchen oft, alles selbst zu regeln. Frauen sind da meist offener, holen sich schneller Rat. Aber wenn wir ehrlich sind, gilt das für uns alle: Früher oder später kommen wir an Punkte im Leben, an denen wir jemanden brauchen, der uns zuhört. Einen Ratgeber. Jemanden, der nicht nur nickt, sondern uns hilft, einen guten Weg zu finden.
Es tut gut, so jemanden zu haben. Jemanden mit offenem Ohr für Sorgen, Zweifel und Fragen. Jemanden, der nicht verurteilt, sondern begleitet. Und genau so einen kündigt der Prophet Jesaja lange vor dem ersten Weihnachten an.
„Denn uns wurde ein Kind geboren, uns wurde ein Sohn geschenkt. Auf seinen Schultern ruht die Herrschaft. Er heißt: wunderbarer Ratgeber, starker Gott, ewiger Vater, Friedensfürst“
(Jesaja 9,5).
Was für ein Titel: wunderbarer Ratgeber. Kein besserwissender Besserwisser, kein distanzierter Theoretiker, sondern jemand, der mitten ins Leben spricht. Wenn das stimmt – und davon bin ich überzeugt – dann lohnt es sich, unser Gebetsleben einmal ehrlich anzuschauen.
Viele meiner Gebete beginnen mit: „Bitte hilf doch …“ oder „Bitte greif ein …“ oder „Tu bitte ein Wunder!“ Das ist nicht falsch. Aber vielleicht fehlt manchmal ein anderer Satz: „Jesus, ich brauche deinen Rat.“
Denn wer um Rat bittet, gesteht sich ein: Ich weiß es nicht allein. Ich brauche Führung. Und genau das will Jesus tun. Nicht nur der Retter am Ende, sondern der Begleiter im Alltag.
Ich musste das selbst auf schmerzhafte Weise lernen. Ich war lange zu stolz, mir Rat zu holen. Ich dachte, ich hätte – wie man in Berlin so schön sagt – „die Weisheit mit Löffeln gefressen“. Spoiler: hatte ich es nicht. Heute weiß ich, wie befreiend es ist, Menschen um Rat zu fragen, die mehr Erfahrung, mehr Weitsicht oder mehr Glauben haben.
Und noch mehr: Als Christ darf ich jeden Tag den Rat dessen suchen, der sich selbst „wunderbarer Ratgeber“ nennt. Die Frage ist nicht, ob er uns führen will, sondern ob wir bereit sind, zuzuhören.
Wie spricht Jesus heute? Ganz oft durch sein Wort. Durch Gebet. Durch Gespräche mit anderen Christen. Durch sein Vorbild. Und manchmal auch durch ein leises Ziehen im Herzen, das uns nicht loslässt.
Es ist selten bequem, sich führen zu lassen. Aber es ist gut. So wie ein Coach am Spielfeldrand nicht da ist, um sein Team kleinzuhalten, sondern um das Beste aus ihm herauszuholen.
Jesus ist kein Coach mit Stoppuhr und Druck. Er ist ein wunderbarer Ratgeber, der uns zeigen will, wie Leben gelingt. Die entscheidende Frage bleibt: Haben wir den Mut, ihm zuzuhören – oder sind wir zu stolz?
Herausforderung für heute: Nimm dir heute einen Moment und frage dich ganz konkret: Wo brauche ich gerade guten Rat? Bitte Jesus darum, dein „wunderbarer Ratgeber“ sein, egal um was für eine Lebenssituation es sich handelt! Und dann: Sei still. Hör zu. Und wage es, einen Schritt in diese Richtung zu gehen.
Sei gesegnet!
„Gute Ratschläge sind Schätze – man erkennt ihren Wert meist erst, wenn man ihnen folgt“ (François de La Rochefoucauld).


